Eine Arbeit kann gesellschaftlich sinnvoll, interessant und persönlich wichtig sein. Sie bleibt trotzdem Arbeit. Gerade bei Berufen, mit denen man sich stark identifiziert, ist vielleicht besonders leicht zu vergessen, dass Bedeutung keine unbegrenzte Arbeitszeit bezahlt.
Vierzig Stunden mit halbwegs planbarem Feierabend können sich privat anders anfühlen als vierzig Stunden, deren genaue Lage ständig wechselt. Freunde, Sport und Termine brauchen nicht nur freie Zeit. Sie brauchen meistens auch die Information, wann sie stattfindet.
Ich würde eine Beförderung inzwischen nicht nur nach Gehalt und Titel bewerten. Wenn sie dauerhaft mehr Abendtermine, Wochenendarbeit und Erreichbarkeit bedeutet, kaufe ich den nächsten Karriereschritt teilweise mit genau der Zeit, wegen der ich überhaupt arbeiten gehe.
„Arbeiten um zu leben“ klingt manchmal, als dürfte einem Karriere dann völlig egal sein. Ich sehe den Widerspruch nicht. Man kann gute Arbeit machen, Verantwortung wollen und sich weiterentwickeln – und trotzdem nicht möchten, dass der Beruf jeden anderen Teil des Lebens schlägt.
„Flexible Arbeitszeiten“ können heißen: Ich kann meinen Tag sinnvoll an mein Leben anpassen. Sie können aber auch heißen: Arbeit kann jederzeit auftauchen. Der Unterschied liegt weniger im Wort flexibel als darin, wer über die Flexibilität entscheidet.
Urlaub eintragen und Urlaub haben sind zwei verschiedene Dinge. Wer am Strand weiter Slack liest, Mails beantwortet und für „nur eine kurze Rückfrage“ erreichbar bleibt, hat zwar offiziell frei. Die Arbeit hat nur offenbar ebenfalls ein Reiseticket bekommen.
Ich mag meine Arbeit meistens.
Trotzdem merke ich ziemlich schnell, wenn sie zu viel Platz bekommt. Dann ist plötzlich Donnerstag, ich habe außer Arbeit, Supermarkt und Schlafen nichts gemacht und frage mich, wo die Woche eigentlich hin ist.
Deshalb ist „arbeiten um zu leben“ für mich gar keine große Philosophie.
Ich möchte unter der Woche einfach noch Sachen erleben, die nichts mit meinem Login zu tun haben.
Mehr Gehalt ist nicht immer automatisch das bessere Gesamtpaket. Wenn ein anderer Job deutlich kürzere Wege, weniger Überstunden oder vier freie Nachmittage im Monat bringt, bekommt man dort teilweise etwas zurück, das auf keiner Gehaltsabrechnung steht.
„Finde einen Job, den du liebst, dann musst du nie wieder arbeiten.“
Ich mag meinen Job meistens.
Montagmorgen bleibt trotzdem Montagmorgen.
Auf dem Vertrag stehen vielleicht 40 Wochenstunden. Zwei Stunden Arbeitsweg am Tag stehen dort nicht, bestimmen aber denselben Kalender. Wer Arbeit danach bewertet, wie viel Leben daneben übrig bleibt, rechnet irgendwann nicht nur die bezahlte Zeit.
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